Freiwilligkeit in der Mediation – Ein Schlüssel zum Erfolg
Ein wesentlicher Aspekt, der die Mediation von anderen Verfahren abhebt, ist die Freiwilligkeit. Doch warum ist Freiwilligkeit so entscheidend für den Erfolg einer Mediation?
Die Bedeutung der Freiwilligkeit
Man könnte behaupten, dass Freiwilligkeit das Herzstück der Mediation bildet. Die grundlegende Idee der Mediation beruht darauf, dass alle beteiligten Parteien bereit sind, zusammenzuarbeiten, um eine einvernehmliche Lösung zu finden. Diese Bereitschaft kann nur entstehen, wenn die Parteien freiwillig in den Mediationsprozess eintreten und aktiv daran teilnehmen.
Im Gegensatz zu gerichtlichen oder schiedsgerichtlichen Verfahren, bei denen eine Entscheidung von außen auferlegt wird, erarbeiten die Parteien in der Mediation ihre eigene Lösung. Dies setzt voraus, dass sie ihre Anliegen, Bedürfnisse und Gefühle offen darlegen und gemeinsam nach Lösungen suchen. Nur wenn die Parteien diesen Prozess aus freien Stücken annehmen, können kreative und nachhaltige Lösungen entstehen.
Vorteile der freiwilligen Teilnahme
- Vertrauensaufbau: Freiwillige Teilnahme signalisiert den Willen der Konfliktparteien, an einer gemeinsamen Lösung zu arbeiten und Vertrauen aufzubauen. Ein vertrauensvolles Umfeld ist entscheidend für den Erfolg der Mediation, da es offener Kommunikation fördert.
- Erhöhte Motivation und Engagement: Wenn die Parteien aus eigener Entscheidung am Prozess teilnehmen, sind sie eher motiviert und aktiv engagiert, um positive Ergebnisse zu erzielen. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die gefundenen Lösungen von allen akzeptiert und umgesetzt werden.
- Langfristige Effektivität: Eine freiwillig gefundene Lösung wird von den Parteien oft als fairer und ausgewogener empfunden. Dies trägt dazu bei, dass die getroffenen Vereinbarungen langfristig Bestand haben und zukünftige Konflikte minimiert werden.
- Weniger Widerstand: Da die Parteien ihre Lösungen selbst erarbeitet haben, gibt es in der Regel weniger Widerstand gegen die Umsetzung im Vergleich zu Entscheidungen, die ihnen von außen auferlegt wurden.
Herausforderungen und Grenzen
Es ist jedoch auch wichtig, die Grenzen der Freiwilligkeit in der Mediation zu erkennen. In einigen Fällen kann äußerer Druck, etwa durch Arbeitgeber, Gerichte oder andere Institutionen, dazu führen, dass Parteien eine Mediation in Erwägung ziehen. In solchen Fällen liegt die Herausforderung für den Mediator darin, eine Atmosphäre zu schaffen, die echte Freiwilligkeit fördert und sicherstellt, dass alle Parteien bereit sind, wirklich an einer Lösung zu arbeiten.
Fazit
Freiwilligkeit in der Mediation ist ein wesentlicher Faktor für deren Erfolg. Sie ermöglicht es den Konfliktparteien, in einem kooperativen Umfeld kreative und nachhaltige Lösungen zu entwickeln. Um das volle Potenzial der Mediation auszuschöpfen, ist es wichtig, dass alle Beteiligten aus freien Stücken teilnehmen und die Prozesse aktiv mitgestalten. Nur so kann gewährleistet werden, dass Mediation nicht nur kurzfristige Lösungen bietet, sondern auch langfristige Beziehungen stärkt und Konflikte nachhaltig löst.
Friedrich Glasl hat eine differenzierte Sichtweise auf das Konzept der Freiwilligkeit in der Mediation entwickelt. Er betrachtet die absolute Freiwilligkeit eher als Fiktion und plädiert stattdessen für ein realistischeres Verständnis.
Glasls Perspektive auf Freiwilligkeit
Glasl argumentiert, dass in der Realität selten eine vollkommen freie Entscheidung für oder gegen eine Mediation getroffen wird. Stattdessen findet seiner Ansicht nach immer eine Abwägung statt:
- Die Konfliktparteien wägen die Vor- und Nachteile einer Mediation ab.
- Sie berücksichtigen mögliche Konsequenzen, wenn sie sich einer angeordneten Mediation entziehen.
Aufgrund dieser Überlegungen prägte Glasl den Begriff „Von der Freiwilligkeit zur Willigkeit“[8]. Er sieht die Bereitschaft zur Teilnahme an einer Mediation als ausreichend an, auch wenn diese nicht völlig freiwillig zustande kommt.
Implikationen für die Mediationspraxis
Glasls Ansatz hat wichtige Auswirkungen auf das Verständnis und die Durchführung von Mediationen:
- Anfängliche Willigkeit: Für Glasl ist es entscheidend, dass zu Beginn zumindest eine grundsätzliche Willigkeit der Parteien vorhanden ist, sich auf den Mediationsprozess einzulassen.
- Rolle des Mediators: Die Aufgabe des Mediators besteht darin, so zu arbeiten, dass die Konfliktparteien aus Einsicht Lösungen erarbeiten, an die sie sich dann halten – auch wenn diese Lösungen ihnen nicht ideal erscheinen.
- Eigenverantwortung fördern: Glasl betont, dass Mediation die Eigenverantwortung der Menschen anspricht und sie zu Gestaltern ihres Schicksals macht.
Diese Sichtweise ermöglicht einen pragmatischeren Umgang mit dem Prinzip der Freiwilligkeit in der Mediation und berücksichtigt die komplexen Realitäten, in denen Konflikte und deren Lösungsversuche oft stattfinden.
Der Ausspruch „Wer nicht wegrennt, ist freiwillig da“ spiegelt tatsächlich einen Teil von Friedrich Glasls Überlegungen zur Freiwilligkeit in der Mediation wider, wenn auch in einer sehr vereinfachten Form.
Glasls Verständnis von Freiwilligkeit
Friedrich Glasl sieht die absolute Freiwilligkeit in der Mediation als eine Art Mythos an. Er argumentiert, dass die Realität oft komplexer ist:
- Abwägungsprozess: Konfliktparteien treffen selten eine völlig freie Entscheidung für oder gegen eine Mediation. Stattdessen wägen sie die Vor- und Nachteile ab.
- Kontextabhängigkeit: Die Entscheidung zur Teilnahme an einer Mediation wird oft von äußeren Faktoren beeinflusst, wie z.B. möglichen negativen Konsequenzen bei Nichtteilnahme.